Monster Hunter ★½

Es ist wirklich irre. Es knallt und zischt unentwegt in "Monster Hunter". Hüben schießt Milla nem Dino mit ner Gatling-Gun ans Kinn, drüben schleudert ein gigantischer Elektrosturm Army-Jeeps durch die Luft und Ron Perlman im schlechtesten Make-Up der Filmgeschichte zu sehen, ist irgendwie bereits ein Spezialeffekt in sich selbst. Alles spratzt und spritzt und doch musste ich ab dem ersten Drittel den Großteil der Laufzeit an einen völlig anderen Film denken.

Während Fräulein Minimalmimik mal wieder ihre übliche Stümpernummer durchzieht, Tony Jaa sich um das letzte bisschen Würde stammelt und die Actionszenen im Schnittstakkato mit wehenden Fahnen untergehen, dachte ich nur - wie ist das möglich? Wie hat Paul W.S. Anderson mit "Event Horizon" einst einen meiner liebsten Sci-Fi-Horrorfilme zu Stande gebracht, ohne sich dabei die Finger zu verknoten, wenn ihn seither schon geringfügigste Basics wie Pacing, Schnittfluss und Figurenentwicklung weit über den Rand seiner Fähigkeiten treiben.

"Monster Hunter" gelingt jedenfalls das seltene Kunststück, gleichzeitig stinklangweilig und trotzdem von allem zu viel zu sein. Filmemachen im Hause W.S bedeutet mittlerweile, einfach nur noch einzelne Ideen auf ein Blatt Papier zu schreiben und dann Verbindungspfeile dazwischen zu malen. Den Rest klaut man sich dann wüst zusammen - ein bisschen "Tremors", ein bisschen "Alien", komplette Szenen aus "Pitch Black", die Selbstverarztung aus „Rambo 3“, der Schokoladen-Gag aus „Stargate“...wirklich jeder noch so kleine Genreklassiker steuert etwas bei. Das ist ein bisschen so, als würde man Reddit einen Film drehen lassen - jeder darf eine Szene nennen auf die er Bock hat, das schneidet dann der Hausmeister zusammen und am Ende schreibt jemand "Film" aufs Poster.

Dabei muss man sagen: an der Nähe zur Vorlage mangelt es dieses Mal nicht. Kenner finden tatsächlich zahlreiche Details aus den Spielen - Designs von Waffen und Monstern, Palikos, sogar die Formen der Steine und Sounds sind wieder zu erkennen. Andere, bessere Regisseure würden hier jetzt mit World Building beginnen, den einzelnen Elementen einen großen Rahmen samt Spannungsbogen geben. Bei Paul Doubleju ist hier aber bereits Drehschluss angesagt - mehr als eine Ansammlung von Klischees, Setpieces und Spieleanleihen ist "Monster Hunter" nie. Keine Figur entwickelt sich, die Monster und die Welt in der sie leben bleiben völlig eindimensional. Von großem Abenteuer, vom Entdeckerdrang und der kindlichen Neugierde, von der die Spielereihe geprägt ist, merkt man nichts.

Zu Milla muss und möchte ich eigentlich nichts mehr sagen. Der Tag, an dem ich verstehen werde, was um alles in der Welt Milla Jovovich dazu bewogen hat, Schauspielerin zu werden, wird sehr wahrscheinlich nicht mehr kommen. "Monster Hunter" beweist jedenfalls abermals eindrucksvoll, dass man in manchen Berufsgattungen auch völlig an der Jobbeschreibung vorbei arbeiten kann und irgendwie trotzdem immer wieder engagiert wird.

Zwei Dinge mochte ich dann aber doch: die Spinnennest-Sequenz ist richtig schön unangenehm und atmosphärisch - so sehr, dass ich mir fast eine R-Rated-Fassung nur in der Ekelhöhle wünschen würde. Und der Score, dessen Centerpiece-Track allerdings so oft wiederholt wird, dass er letzten Endes dann doch nervt. Im Getöse aus Bla und Blubb gehen aber auch diese beiden Ansätze letzten Endes komplett baden.

"Monster Hunter" ist darüber hinaus nichts weiter als eine sündhaft teure Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Familie Untalentiert, die ohne einander in Hollywood vermutlich beide längst arbeitslos wären. Aber weil irgendwer irgendwo für die idiotische Idee, aus einer Videospielvorlage einen Film zu machen, auch künftig jemanden braucht, der das IRGENDWIE auf die Leinwand reihert, dürfen wir uns wohl alsbald auf viele weitere Einsätze von Milla plus Anhang freuen.