The Favourite

The Favourite ★★★★

Es ist mir ein Rätsel, wie Yorgos Lanthimos immer wieder dazu in der Lage ist, seine Darsteller Dinge tun und sagen zu lassen, die einerseits urkomisch sein können und andererseits Dinge geschehen lässt, während derer einem dieses Lachen direkt wieder im Halse stecken bleiben möchte. "The Favourite" ist nach "The Lobster" und "Killing of a Sacred Deer" zwar sein bisher zugänglichster Film, aber ganz sicher nicht "gewöhnlich".

Lanthimos empfiehlt sich dabei abermals als Meister der Kontradiktion. Auf der Leinwand spielen sich in großartig ausstaffierten und gefilmten Bildern leichtfüßige Momente ab, denen dennoch immer etwas Beklemmendes, irritierend Falsches anhaftet. Der düstere Score brennt sich in die hübsch gefilmte Fassade, Charaktere lächeln in die Kamera, die wahren Emotionen und Intentionen verlieren sich oft fast beiläufig in kleinen Gesten oder den Schatten der königlichen Gemächer. Wenn man schon intrigante Kammerspielchen zu Hofe inszeniert, dann doch bitte so.

Lanthimos findet dabei immer wieder den ebenfalls eigentlich widersprüchlichen Grenzgang zwischen bissigem Zynismus, dem titelgebenden Irrsinn (die Tanzszene..!) und tiefen Einblicken ins tragische Seelenleben seiner Charaktere. Lediglich gegen Ende des Films verliert sich diese Balance zu sehr. Auch fehlte mir eine deutlichere Zuspitzung der Spannungsschraube.

Wie all seine Filme, hat Yorgos Lanthimos auch "The Favourite" wieder mit Charakteren bevölkert, die ihre Vielschichtigkeit hinter Mauern aus zynischen Kommentaren, nervöser Anspannung oder falscher Zurückhaltung verstecken. Ein großer Teil der Handlung findet hier allein hinter Fassaden, weit unter der Oberfläche statt. Wer daran Spaß haben möchte, muss Subtexte dechiffrieren, Verhaltensmuster analysieren wollen. Manch einem mögen die Hauptfiguren dadurch aber kalt und entrückt erscheinen.

Gespielt sind sie aber allesamt brillant: Olivia Coleman ist lange nicht so gut gewesen, Emma Stone erfrischend gegen den Strich gebürstet, mein Highlight war jedoch Rachel Weisz. Für die kommende Awardsaison empfehlen sich alle drei Damen. "The Favourite" ist clever, bissig, mit herrlichen Dialogen gesegnet, die die Figuren ihrer Zeitperiode zwar völlig entrücken, aber - um historisch korrekte Aufarbeitung geht es Lanthimos ja ohnehin nicht. Der hat scheinbar seine ganz eigpene Agenda. Solange die aber solche Filme hervorbringt: unbedingt weitermachen!