Autumn

Autumn ★★½

Yusuf kehrt nach 10 Jahren politischer Gefangenschaft in einem türkischen "Hochsicherheitsgefängnis" in sein Heimatdorf irgendwo im bergigen Hinterland zurück. Psychisch und physisch ist er vollkommen am Ende. Bei seinen gelegentlichen Ausflügen in die Stadt lernt er die georgische Prostituierte Eka kennen. Beide verbindet ein fast hoffnungsloses Verlorensein in der gegenwärtigen Welt.

Ein Film, der beinahe in Zeitlupe abläuft. So langsam geht hier die Handlung voran. In der ersten Stunde begleitet man Yusuf im Prinzip nur dabei apathisch vor sich hinzustarren und hin und wieder einen Halbsatz bei einem Gespräch beizusteuern. Klar, mit diesem Minimalismus soll die Zerstörung symbolisiert werden, die der Hauptcharakter innerlich in der Gefangenschaft erlitten hat.

Das große Problem ist, dass man nahezu nichts darüber erfährt, wer Yusuf eigentlich war, warum genau er verhaftet wurde und was mit ihm im Gefängnis tatsächlich passiert ist. Es fehlt jegliche Charaktertiefe und deswegen nimmt man sein Schicksal zwar mit Mitgefühl, aber nicht mit emotionaler Verbundenheit hin.

Eka, die ohnehin nur in der letzten halben Stunde eine Rolle spielt, wird sogar noch sträflicher bei der Charaktergestaltung vernachlässigt. Sie hat eine Tochter in Georgien. Mehr wird nicht von ihr preisgegeben. Eine Randerscheinung, deren Abgang dann auch irgendwie egal ist.

Ich war ehrlich gesagt ziemlich verärgert über den Film, da ich zwar erkannt habe, worauf er hinaus will, die Umsetzung aber für mich total gescheitert ist. Weniger Stillleben, mehr Innenleben hätte ich mir hier nur allzu sehr gewünscht.