Joker

Joker ★★★★★

Jim Gordon:
„You're wearing a mask. Jumping off rooftops. Now, take this guy.
Armed robbery, double homicide, has a taste for the theatrical, like you. Leaves a calling card.“

🃏


Nach 122 Minuten ist „The End“ auf der Leinwand zu lesen und alles was ich von mir gebe ist Applaus. Applaus für Joaquin Phoenix, Applaus für Todd Phillips. Übertrieben gesagt bin ich auch zu mehr nicht in der Lage. Warum? Ich versuche es mal in Worte zu fassen, aber vorneweg, schaut euch dieses Kunstwerk an.

Joker ist kein Comic-Film wie Marvel, oder DC sie nach Schema-F am laufenden Band produzieren. Joker ist eine Charakterstudie, teilweise sogar eine Anamnese von Batmans Erzfeind. Wir sehen wie Arthur Fleck sich „verwandelt“. Wie er verprügelt und ausgelacht wird, wie seine Welt untergeht und er daraufhin seine eigene kreiert.
Es sind Szenen, die einem teilweise das Herz brechen, er tut uns leid, denn Arthur ist von Natur aus kein böser Mensch, er ist krank. In Stresssituation lacht er. Ikonisch, wie wir es von den anderen Versionen des Jokers kennen. Was am Anfang etwas verstörend wirkt, sitzt im Verlauf des Films immer tiefer, denn bei jedem Lachen spürt man nahezu, wie ein Teil seiner selbst zerbricht.

Während wir Zeuge dessen werden, lernen wir die Metropole Gotham City und deren Persönlichkeiten kennen. Gotham ist kontrastreich. Auf der einen Seite vermüllt, verschmutzt und in blau und grau Tönen visualisiert, kann man förmlich die Stadt riechen. Das ist die Welt in der Arthur mit seiner schizophrenen Mutter lebt, um die er sich so gut kümmert wie es nur geht.
Die andere Seite ist reich, erfolgreich, sauber, aber eben nicht so glanzvoll wie es den Anschein hat. Es ist Fassade. So steckt hinter den Charakteren von Murray Franklin (Robert de Niro) und Thomas Wayne (Brett Cullen) etwas mehr als der erste Blick preisgibt. Thomas Wayne’s Sohn Bruce, aka Batman, ist übrigens noch im Kindesalter.

"All it takes is one bad day to reduce the sanest man alive to lunacy. That's how far the world is from where I am. Just one bad day."

Nachdem Arthur dann seinen „Bad Day“ hatte und wahnsinnig wird, erhöht sich auch der Gewaltgrad, seien es Messerstiche, Schlägereien, oder eigentlich überflüssige Schüsse in einen bereits leblosen Körper, das Blut fließt und spritzt. Für mich war das letztlich sogar wichtig, so ist die Intensität, mit der man den Joker erlebt, um einiges höher. Dazu trägt auch der brillante Score und der Soundtrack bei, die jeder noch so düsteren Szene, den perfekten Klang verleihen.

Last but not least, Oscar Preisträger „Best Performance by an actor in a leading Role 2020“, Joaquin Phoenix. Ich möchte mich verneigen, mal abgesehen von der physischen Anstrengung und Belastung 25kg abzunehmen, was für Hollywood vor einigen Jahren ja eine Art Hype geworden ist - was hat dieser Mann für ein wahnsinniges Talent, unbekannt ist er ja schon lange nicht mehr, vor allem seit seiner Darbietung als Johnny Cash. Aber dass das in ihm schlummert hätte ich nicht erwartet, auch wenn ich mir sicher war, dass er es gut machen wird, so hat er meine Erwartungen nochmal übertroffen. Ich glaube in den 120 Minuten war so ziemlich jede Emotion zu erkennen, die man nur spielen kann. Teilweise war er wirklich charmant und im nächsten Moment einfach nur widerlich, wie er sich mit seinen 60 kg windet und verbiegt, als würden die Knochen gleich aus der Haut heraustreten. Da musste ich schon teilweise an Christian Bale in „The Maschinist“ denken.

Joker ist so viel mehr, als die Leute wahrscheinlich ahnen. Hinzu kommen Twists und man mag vielleicht sogar „Mindfuck“ in den Mund nehmen, denn nichts ist so wie es scheint, oder etwa doch?
Todd Phillips erinnert sogar mit einer Einstellung an Heath Ledger (zumindest wirkte das auf mich so). Apropos Heath Ledger, man kann diese beiden, wenn auch gleichen Figuren nicht miteinander vergleichen. Keiner macht es besser, keiner macht es schlechter als der andere. Beide Interpretationen sind für mich absolute Weltklasse.

Das Schönste für mich ist jedoch, das Joker endlich mal kein Comic-Einheitsbrei ist, dass das Studio, auf gut Deutsch gesagt, die Eier hatte, es zu riskieren, und das sie damit auch belohnt werden. Denn ganz ehrlich, wenn die nächsten 22 Marvel oder DC Filme weiter nach Blaupause produziert werden, hab ich auch irgendwann keine Lust mehr. Da sollten wir alle irgendwann keine Lust mehr drauf haben, damit solche Produktionen wie der Joker uns zu begeistern wissen. Dafür ist Kino gemacht.

⚜️

„You wouldn‘t get it.“

Chris liked these reviews

All