Alita: Battle Angel

Alita: Battle Angel ★★★

Als Fan des Original Animes von 1993 war ich schon ein bisschen skeptisch. Allerdings bin ich doch eher positiv überrascht. "Alita" ist sicher kein überragender Film, aber in der Summe macht er mehr richtig als falsch und bleibt der Vorlage doch ziemlich treu. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen Filme wie "Ghost in the Shell" oder der unfassbar grottige "Der dunkle Turm". Insofern war ich schon etwas erleichtert, dass sich hier die Umsetzung eines Klassikers einigermaßen ordentlich aus der Affaire gezogen hat.
Am Ende leidet Alita aber auch unter zu viel verschenktem Potenzial. Das fängt beim AllStar-Cast an, (Ali, Waltz, Conelly) die aber allesamt wenig überzeugen können und fast schon zu belanglosen Nebencharakteren verkümmern. Rodriguez hat sein Augenmerk auf Alita und ihre Romanze zu Yugo gelegt. Das ist für 12-16 Jährige sicher auch eine gute Entscheidung, als Erwachsener muss man, ob der recht klischeehaften und vorhersehbaren Liebesgeschichte, aber doch häufig mit den Augen rollen. Puristen werden einwerfen, dass das beim Anime auch so ist. Mag sein. Aber nur weil etwas als theatralisches Anime funktioniert, heisst das noch lange nicht, dass das 1:1 mit echten (amerikanischen) Schauspielern genauso passt. Mir war's stellenweise zu schmalzig und einfach zu uninteressant. Da hätte gerne mehr über die Welt, Zalem oder die obengenannten Charaktere und ihre Motivationen gelernt, als ständig nach dem Knaben zu schmachten...

Auch das Pacing ist stellenweise etwas merkwürdig. Die erste Hälfte lässt sich richtig viel Zeit und wirkt deutlich polierter als das gesamte letzte Drittel. Zum Ende wirkt der Film schon gehetzt und die Ereignisse überschlagen sich, wodurch die Geschichte kleiner und unwirklicher wirkt, als einem zu Beginn vorgegaukelt wird. Zu viele Charaktere, mit teilweise nicht ganz nachvollziehbaren Motivationen, müssen in Rekordzeit irgendwie abgehandelt werden. Man hat das Gefühl hier sind sich die Produzenten selber nicht sicher, ob das eine abgeschlossene Geschichte, oder der Auftakt zu einem mehrteiligen Franchise werden soll, bzw. ob der Film erfolgreich genug wird um die Geschichte weiterzuerzählen.

Über all dem erhaben sind die Effekte und die Action. CGI und Modelle feiern eine prächtige harmonische On-Screen-Ehe. Die Welt ist Detailgetreu umgesetzt und vor allem glaubwürdig. Der Film wirkt wertiger und liebevoller designt als die meisten Marvel-Filme. Die Action ist wuchtig, stellenweise recht heftig (für einen FSK 12 Rating) und vor allem so angenehm choreografiert, dass man ihr stets folgen kann keine epileptischen Anfälle getriggert werden (Hallo "Ready Player One").

Unterm Strich war das ein ordentliches Kino-Erlebnis, das 2h lang sehr gut unterhält und gerade auch in einem iMAX Kino technisch zu überzeugen weiß.
Tatsächlich hab ich jetzt ein bisschen mehr Bock auf die neuen Avatar-Streifen...