Cry Macho

Cry Macho ★★★½

Selbst hartgesottenen Kritikern sollte es wohl schwerfallen, nicht zumindest etwas Bewunderung für Clint Eastwood zu empfinden. Mit 91 Jahren ist er nicht nur die vielleicht größte lebende Hollywood-Ikone, er liefert zudem auch weiterhin bemerkenswerte Arbeit vor und hinter der Kamera ab. Auch wenn sein neuester Film „Cry Macho“ sicher weit hinter der Qualität seiner Meisterwerke zurückbleibt, ist ihm hier doch ein durchaus sehenswerter und sanftmütiger Film gelungen, der aber am ehesten bei seinen Fans Gefallen finden sollte.

Eastwood ist mittlerweile ein spür- und sichtbar gebrechlicher Mann, der aber weiter seine legendäre Persona über seine unverwechselbar zugekniffenen Blicke und trockenen, durch die Zähne gesprochenen Sprüche problemlos vermittelt. In „Cry Macho“ erzählt er eine sehr simple, wenig herausfordernde, aber angenehme Geschichte, die auch scheinbar gar keine Ambitionen hat, große Fragen zu stellen oder gar ein filmisch großer Wurf zu sein. Viel zu entspannt, lässig und unprätentiös ist dieser Film, der zwar wenig ereignisreich, aber dennoch unterhaltsam daherkommt.

Eastwood spielt den alteingesessenen texanischen Rancher und ehemaligen Rodeostar Mike Milo, der Ende der 70er Jahre von seinem ehemaligen Boss Howard (Dwight Yoakam) beauftragt wird, dessen Sohn Rafo (Eduardo Minett) aus den missbräuchlichen Fängen seiner Mutter Leta (Fernanda Urrejola) zu befreien. Hierfür reist Mike nach Mexiko City, wo er nach einigen Umwegen Rafo beim Hahnenkampf ausfindig macht und schließlich überredet, ihn nach Texas zu begleiten. Es beginnt ein sehr gemächliches Road Movie, bei dem das ungleiche Paar (und Rafos Hahn Macho) von Letas Schergen verfolgt wird und auf dem Weg manch prägende Begegnung macht. So treffen sie etwa in einem kleinen mexikanischen Dorf auf die Witwe und Cantina-Besitzerin Marta (Natalia Traven), die den beiden Unterschlupf bietet und sich von Mike sogar ein wenig angezogen fühlt. Insbesondere die ganz ruhige und nur angedeutete Romanze dieser beiden Figuren gehört zu den besten Aspekten des Films.

Es ist natürlich klar, ohne Clint Eastwood wäre „Cry Macho“ ein weitestgehend uninteressanter Film, dessen Prämisse kaum Mehrwert bietet. Mit der Ikone vor und hinter der Kamera erhält der Film jedoch automatisch Gewicht und stellt zumindest ganz subtil Fragen über Vermächtnis, Männlichkeit und zweite Chancen. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob die Ausgangslage angesichts Eastwoods Alter überhaupt Sinn macht, aber diesen wenig plausiblen Umstand akzeptiert man letztlich einfach dank Eastwoods Selbstverständlichkeit.

Wie eigentlich nicht anders zu erwarten, entwickelt sich zwischen Mike und Rafo schließlich eine freundschaftliche Beziehung, die jedoch ebenfalls sehr unaufgeregt und letztlich nur in Ansätzen emotional daherkommt. Die Wirkung dieser Paarung wird leider auch dadurch geschmälert, dass Rafo-Darsteller Minett nur wenig natürlich agiert und seine ohnehin nicht besonders lebensechten Dialoge nur ziemlich hölzern aufzusagen weiß.

So plätschert der Film mit der bemerkenswerten Seelenruhe daher, die man wohl von einem 91-jährigen Regisseur erwarten würde. Kommt mal so etwas wie Gefahr oder Spannung auf, löst Eastwood alle Konflikte auch umgehend wieder auf. Viel von Konsequenz passiert hier nicht, der Film vergisst auch irgendwann völlig Rafos Mutter und bleibt ganz bei seinen beiden Hauptfiguren. Echten Tiefgang oder gar eine eigene Motivation lässt sich anhand der sehr dünn geschriebenen Figur des jungen Mexikaners auch nur erahnen. Zumindest Mike bekommt immer wieder kleine Charaktermomente eingebaut, die auf eine Vergangenheit deuten, die sowohl tragische Momente als auch das Bedauern falscher Lebensentscheidungen beinhalten.

Ansonsten bietet dieses in sich ruhende und melancholische Road Movie wenige Highlights, am ehesten erfreut man sich dann eben an Eastwoods charismatisch-sturer Präsenz, seinen trockenen Sprüchen und an der entspannten wie subtil herzerwärmenden Stimmung. Dennoch muss man eben auch festhalten, dass sich Eastwoods Inszenierung nicht mehr so präzise und muskulös anfühlt wie einst, tatsächlich irritieren sogar manch ungelenk erscheinende Szenen bzw. Szenenübergänge. In manchen stillen zwischenmenschlichen Momenten schimmert Eastwoods Regie-Talent jedoch weiterhin durch, sodass man sich gerade als Fan nochmal auch an diesem kleinen, aber weisen Film erfreuen kann.

Fazit

„Cry Macho“ mag weit entfernt von Eastwoods besten Arbeiten sein, aber insbesondere Fans sollten alleine eine gewisse Freude an der reinen Präsenz der 91-jährigen Ikone haben. Der Film präsentiert sich als unaufgeregtes und altmodisches Road Movie über eine ungewöhnliche Freundschaft, reißt aber auch ganz subtil Themen wie Vermächtnis, Männlichkeit und zweite Chancen an. Ein zwar recht spannungs- und konfliktarmer, aber dennoch angenehmer Film, bei dem eher die kleinen und stillen Momente herausragen.

Florian liked these reviews