Godzilla vs. Kong

Godzilla vs. Kong ★★★

Nach einigen Monaten Wartezeit ist es nun auch in Deutschland so weit, das MonsterVerse wird mit „Godzilla vs. Kong“ fortgesetzt. Und keine Frage, all die Ungeduldigen, die den Film unbedingt zuhause über diverse Umwege sehen mussten, taten sich keinen Gefallen, denn dieser Film hat nur ein Zuhause: das Kino. Dort hat er in bereits 31 Ländern (Stand: 29.06.) mehr als beachtliche 442 Millionen Dollar eingespielt und seinen Vorgänger in diesem Bereich sogar schon übertroffen. Der Durst nach der großen Leinwand – und bei vielen dem Spektakel – ist also trotz aller Streaming-Bequemlichkeit groß. Diesen sollte Adam Wingards gigantische Monsterkonfrontation sicher stillen, denn auch wenn hier kein künstlerischer oder erzählerischer großer Wurf entstanden ist, so sorgt der Film dennoch das ein oder andere Mal dank bemerkenswerter Schauwerte für großes Staunen.

Warner und Legendary meinen es mit ihrer Franchise weiterhin ernst, denn auch wenn der Vorgängerfilm mit nur 386 Millionen Dollar Einspiel deutlich hinter den Erwartungen blieb, geht man den 2014 mit Gareth Edwards „Godzilla“-Reboot gestarteten Weg unbeirrt weiter. Und wie oben angedeutet, hat sich diese Taktik auch durchaus ausgezahlt: Franchise-Neuling Adam Wingard („The Guest“, „Death Note“) setzt hier zwar durchaus eigene inszenatorische Akzente, dennoch reiht sich „Godzilla vs. Kong“ mit erzählerischer und visueller Konsistenz in die nun etablierte Reihe nahtlos ein. Das heißt mit anderen Worten auch, dass man den Vorgänger durchaus noch auf dem Schirm haben sollte, um hier gut mitzukommen.

So dreht sich auch dieser fünf Jahre nach „Godzilla: King of the Monsters“ spielende Ableger um die geheime Regierungsbehörde Monarch, die mit der Erforschung der Titanen beauftragt ist. Wieder mit von der Partie ist so erneut Madison Russell (Millie Bobby Brown), Tochter von Monarch-Wissenschaftler und Kommunikationsexperte Mark Russell (Kyle Chandler). Als Godzilla eine Forschungseinrichtung des Kybernetik-Unternehmens Apex in Florida angreift, beginnt Madison angesichts des überraschenden Verhaltens der lange friedlich gebliebenen Riesenechse auf eigene Faust nachzuforschen. Gemeinsam mit ihrem Freund Josh (Julian Dennison) sucht sie den Podcaster und Verschwörungstheoretiker Bernie (Brian Tyree Henry) auf, der Apex schon länger verdächtigt hat, an unlauteren Projekten zu arbeiten.

Im zweiten Handlungsstrang engagiert Apex-Boss Walter Simmons (Demián Bichir) eine Expedition zur sagenumwobenen „Hohlerde“, wo er die Ursprungswelt der Titanen vermutet. Hierfür heuert er den ehemaligen Monarch-Geologen Dr. Nathan Lind (Alexander Skarsgård) an, der die gefährliche Reise zum Mittelpunkt der Erde gemeinsam mit der Monarch-Anthropologin Dr. Ilene Andrews (Rebecca Hall) mit speziell von Apex angefertigten Raumfahrzeugen antreten soll. Unterstützung sollen sie von Kong höchstpersönlich erhalten, der mittlerweile unter einer gigantischen LED-Kuppel à la „Die Truman Show“ auf Skull Island von Monarch zu Forschungszwecken eingesperrt wird. Beim großangelegten Transfer des sedierten Kong über die Weltmeere kommt es dann aber schließlich zur verheerenden Attacke von Godzilla auf den Schiffs-Konvoi…

Man kann „Godzilla vs. Kong“ eigentlich kaum vorwerfen, dass er in narrativer wie mythologischer Hinsicht nicht durchaus ambitioniert ist: So werden zum einen die Hintergründe der Monsterwelt weiter vertieft und von verschiedenen Standpunkten beleuchtet. Besonders interessant ist etwa das tatsächlich existierende pseudowissenschaftliche Konzept der Hohlerde, deren Erforschung dem Film einen netten wie abenteuerlichen Fantasy-Expeditionsanstrich gibt. Zur Mitte des Films darf man hier durchaus eine interessant realisierte Welt bewundern, in der zwei Landhälften sich gegenüber liegen und nur von einem Gravitationsfeld getrennt werden. Dass es hier zur actionreichen wie majestätischen Sichtung vieler neuer Kreaturen kommt, gibt dem Film eine frische Note.

Ist der Hohlerde-Strang abenteuerlicher Natur, geht es in der parallel verlaufenden Geschichte verschwörerisch zu. Was führt Apex im Schilde? Um das herauszufinden dringen Madison, Josh und Bernie heimlich in den zerstörten Florida-Komplex ein und versuchen zu ergründen, was Godzillas plötzliche Zerstörungswut wohl ausgelöst haben könnte. Wer sich etwas mit der „Godzilla“-Mythologie auskennt und eins und eins zusammenzählen kann, sollte angesichts der Verwicklung eines Kybernetik-Konzerns von dem eigentlichen Kontrahenten in dieser Geschichte wenig überrascht sein.

Statt den Film voranzutreiben, bremsen sich die beiden Handlungsstränge allerdings gegenseitig etwas aus. Leider ist es gerade der etwas ambitioniertere Strang um Verschwörungstheoretiker Brian Tyree Henry, der dem Film Momentum raubt und eher ungelenk wie unausgegoren daherkommt. Sicher, hier wird ein Gefühl von Wichtigkeit und Dringlichkeit aufgebaut, das aber einfach nie so richtig Wirkung entfaltet und letztlich einen oberflächlichen Beigeschmack hinterlässt. Im Grunde geht es hier dann doch um nichts, es ist viel Füllwerk zu sehen, das die Zeit zwischen dem zugegebenermaßen spektakulären Getöse und der eigentlichen Existenzgrundlage des Films stopft. Damit macht der Film enttäuschenderweise nach dem Vorgänger keinen Schritt nach vorne und bleibt trotz des vielversprechenden Regiewechsels trotz spürbarer Liebe zum Detail und den ikonischen Figuren weitestgehend anonym und austauschbar inszeniert. Wer den Trailer gesehen hat und echte Überraschungen erwartet, wird abgesehen von mancher Ausnahme wohl eher enttäuscht sein. Adam Wingard, der mit „You’re Next“ oder „The Guest“ jede Menge Potential offenbart hat, ordnet sich den ikonischen Monstern unter, gerne hätte man sich mehr eigenständige oder verspieltere Momente gewünscht, wie sie Jordan Vogt-Roberts noch in „Kong: Skull Island“ kredenzt hat.

Aber wie eingangs erwähnt, ist „Godzilla vs. Kong“ durchaus ein oft in seinem Bombastkino wirkungsvoller Streifen, der zwingend auf der größtmöglichen Leinwand gesehen werden muss. Das klingt wie ein Klischee, ist aber wahr, da sich der unzweifelhafte Mehrwert des Films eben in seinen audiovisuellen Vorzügen präsentiert. Da sorgt dieses Aufeinandertreffen der Titanen an einigen Stellen durchaus für überwältigende Gänsehautmomente, die im besten Fall sogar regelrecht anmutig daherkommen. Hier ist besonders die sehr gelungene Szene auf dem Ozean zu nennen, bei der sich Godzilla und Kong ihren ersten kollateralschadenreichen Schlagabtausch liefern und sich nicht nur die auf einem Flugzeugträger stationierten Kampfjets entgegenschleudern, die angesichts der Dimensionen wie explosive Kieselsteine daherkommen.

In solchen ausgedehnten Momenten liefert Wingard ordentlich ab und sorgt für genau das, was man sich von einem Film namens „Godzilla vs. Kong“ erwartet. Die visuellen Effekte sind größtenteils top, eine gewisse Künstlichkeit kann man verschmerzen. Wingard hat jedenfalls ein Gespür für die Dimensionen seiner Kreaturen, aber auch vor allem ihrer Kraft. Wenn hier weit ausgeholt wird und ein Schlag sitzt, dann spürt man das auch und kann oft nur kräftig durchpusten. Das ist ein tolles Schauspiel, bei dem die Sympathie größtenteils klar bei Kong liegt, der erneut wie ein missverstandener sanfter Riese mit viel Seele und Anmut ausgestattet wird. Godzilla-Puristen mögen demzufolge angesichts seiner lange als Nebenfigur konzipierten Rolle leicht enttäuscht sein.

Alle Stricke werden dann im obligatorisch Großstadt-plättenden und visuell atemberaubend stimmungsvoll umgesetzten Finale in Hong Kong gelöst. Wenn die Wolkenkratzer hier nur so in allen Facetten auf die neondurchfluteten Straßenzüge purzeln, ist das enorm eindrücklich inszeniert, aber auch in diesem Fall darf man sich um das millionenfache menschliche Sterben auf diesem Boxring der Titanen nicht allzu viel sorgen.

Also, „Godzilla vs. Kong“ macht erwartungsgemäß in seinen besten Momenten jede Menge Spaß und liefert sehr willkommenen Eskapismus, aber trotz aller Bemühungen lässt der Film eher kalt. Für hartgesottene Kaiju-Fans mag das zu verschmerzen sein, das restliche Publikum kriegt hier aber zumindest ordentliches Spektakel geboten, bei dem die menschlichen Figuren eher austauschbar bleiben und trotz viel Screentime verblassen. Das haben sowohl der gewichtig inszenierte „Godzilla“ als auch der wunderbar verspielte „Kong: Skull Island“ besser und eigenwilliger gelöst.

Fazit

„Godzilla vs. Kong“ liefert das erwartbare Bombast-Kino, das unbedingt auf die große Leinwand gehört. Letztlich bietet der Film solide wie spektakuläre Unterhaltung, die aber insgesamt wegen einer recht uninspirierten Geschichte sowie blasser Figuren eher kalt lässt. Die Action-Momente sind jedoch wuchtig und häufig atemberaubend umgesetzt.

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