The Lighthouse

The Lighthouse ★★★★½

Der Weg zu dieser Sichtung war eine beschwerliche Reise. Zu Zeiten seiner Veröffentlichung, als die Lobeshymnen bereits von allen Mauern schallten, wollte ihn zuerst kein Kino meines Vertrauens in sein Programm aufnehmen. Dann hatte sich tatsächlich eine einmalige Gelegenheit aufgetan, diesen Film auf der Leinwand sehen zu können, wo jedoch kurz vor Starttermin der Vorführung die Kinos aufgrund nach wie vor aktueller Umstände schließen mussten. Mehrere Monate konnte ich schon nicht mehr warten diesen Film zu sehen, während meine Erwartungen durch den Zuwachs positiver Stimmen erbarmungslos mitwuchsen. Der Home-Release räumte letztendlich den Pfad zur Erlösung. Meine Erwartungen riesiger denn je, hatte ich nun endlich die Möglichkeit Der Leuchtturm zu erleben.

Nicht nur der Hype war ein großer Schwindelerreger. Durch meine vorige Begegnung mit dem Film gleichen Namens aus dem Jahre 2016, der dieselbe Ausgangslage thematisiert, bin ich etwas voreingenommen und besorgt gewesen, ob mich dieser Film noch wirklich packen kann. Regisseur Robert Eggers hatte mich aber schon vorher mit seinem Erstlingswerk The Witch überzeugen können und gezeigt, dass seine Gabe darin besteht, Horror wahrlich unkonventionell und vielschichtig zu inszenieren. Und tatsächlich ist es so weit gekommen, dass mir am Ende die Worte fehlten, allerdings nicht komplett auf die Art, wie ich es vermutet hatte. Selten bin ich mir nach Ablauf des Gesehenen noch so unsicher gewesen, wie ich zu allem stehe. Über Nacht ist der Groschen dann gefallen: Um 05:00 Uhr in der Früh bin ich vollkommen perplex aufgewacht und hatte auf Anhieb und völlig untypischerweise nur diese eine Frage im Kopf: Was ist in diesem Licht? Ich kann nicht behaupten, dass ich Der Leuchtturm in seinen Einzelheiten zu hundert Prozent verstanden habe, aber wenn dieser Film eines ist, dann wahnsinnig effektiv.

Wie vorher erwähnt habe ich vor diesem Chris Crows The Lighthouse (2016) gesehen und war mäßig begeistert. Während jener durchaus eine beklemmende Location und solide Darsteller vorzuweisen hat, erachte ich ihn in erster Linie als einseitig und sterbenslangweilig. Keines dieser beiden Wörter lässt sich auf das Erlebnis von Robert Eggers Version transferieren, die merklich nur teilweise von den Begebenheiten inspiriert ist. Das einzig subtile an Der Leuchtturm ist sein schlicht gehaltener Titel. Es ist praktisch unmöglich sich auf die abstruse Szenerie vorzubereiten, die einen hier erwartet. Anknüpfend an seine bisherige Filmographie finden dafür diese beiden Wörter wieder Verwendung: unkonventionell und vielschichtig. Zwar übernimmt Der Leuchtturm in vielen Szenen die Darstellung von seinen bereits aufgezeigten Themen, jedoch fühlt sich keine Szene wie ihre vorige oder nachkommende an. Aus seiner eigenen Unberechenbarkeit schöpft der Film eine schockierende, hypnotische und konfuse Verbildlichung einer Geschichte, die gar nicht erzählt wird. Der direkten Symbolik sind kaum Grenzen gesetzt und sie liefert genug Eigenraum für die eigene Interpretation von aufgelegten Fragen, deren Beantwortung sich der Film nicht verschrieben hat. Obgleich man Der Leuchtturm durchaus vorwerfen könnte, er hätte in manchen Momenten seine Grenzen überschritten und übertreibt es ein wenig mit der Sinnbildlichkeit, bleibt mir folgendes Resultat: Ein meisterhafter Mystery-Thriller mit beängstigenden Horror-Einlagen, funktionstüchtigem Charakterdrama und einem unfassbaren Sinn für Humor.

Ausgebaut wird Der Leuchtturm über seine inhaltliche Wirkung von vielen Aspekten. Ein ansprechendes 1:1-Format im Schwarz-Weiß-Filter, welches als Stilmittel zum albtraumhaften Märchen genauso passend verwendet wird, wie es diese unvergleichlich unheilvolle Atmosphäre verdichtet. Die kryptischen Bilder werden von einer bahnbrechenden Stimmung ummantelt und haben zusätzlich mit dem fantastischen Sound-Design einen Eindruck von Gänsehautmomenten hinterlassen, den viele Horrorfilme bei mir missen. Die Cinematographie entlockt seinem limitierten Setting alles und fängt in jedem Frame eines von mehreren Bruchstücken ein, welche ein gewaltiges Kunstwerk zeichnen. Die Leading-Men Robert Pattinson und Willem Dafoe spielen einander in jeder Konfrontation gegen die Wand und verkörpern ihre Figuren ausdrucksstark, mannigfaltig und warten mit zitierwürdigen Dialogen und Einsätzen auf, dass einem das Blut gefriert. Nicht zuletzt ist es die Kombination aus all dem, was einen schmutzigen, unter die Haut gehenden Drift in den Wahnsinn hervorbringt. Mit was für einer Wucht, Freigeistlichkeit und ominöser Verstörtheit Der Leuchtturm inszeniert ist, hinterlässt bei mir Spuren. Der Film hat mich mehr als nur einmal auf die Kante meines Sitzes getrieben.

Der Leuchtturm ist ein atemberaubendes Stück. Robert Eggers hat mit ihm einen Film erschaffen, der sich keiner Definition beugt und sein eigenes Genre vorstellt. Meine hohen Erwartungen gaben Grund zur Besorgnis, in diesem Falle aber hat sich die Besorgnis nur als unberechtigt herausgestellt, während die Erwartungen sich bewahrheitet haben. Die Bilder, Geräusche, Worte und Hirngespinste dieses Filmes haben mich vollends aufgesaugt und ein Banngefühl oberster Klasse ausgelöst. Obwohl ich derart spät bei der Party eingetroffen bin, die viele schon so lang feiern, hat sich der Gastgeber vortrefflich um mich gekümmert.

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