The Last Duel

The Last Duel ★★★½

Es hat durchaus gutgetan, absolut «Blind» (kein Trailer, keine Vorberichterstattung, keine Reviews) in einen Film zu gehen. So war ich von der Story und seinem Hauptgimmick doch angetan.

Aber Achtung: In The Last Duel darf man keine grossen Schlachten erwarten. Eigentlich ist der Streifen eher ein Kammerspiel. Wer darauf Bock hat, wird bedient. The Last Duel steht und fällt mit seiner Erzählung und den wirklich tollen Darstellern. Driver mag ich sowieso in allem, auch hier weiss er zu glänzen. Das selbe kann ich auch über Matt Damon sagen. Einzig Ben Affleck fällt etwas ab. Seine Figur will mit dem exzentrischen Verhalten nicht so recht in den Film passen. Weggeblasen hat mich dafür Jodie Comer, welche die anspruchsvolle Rolle wirklich toll meistert. Besonders die zum Teil subtilen Variantenänderungen in verschiedenen Szenen fand ich super. So ist das Zusammenspiel dieses Ensembles die grösste Stärke des Films. Auch dramaturgisch ist es dank dem erzählerischen Kniff durchaus eine packende Angelegenheit. Die intensiven Szenen sind...naja...wirklich intensiv.

Vom handwerklichen her zeigt Ridley Scott wieder, dass er Mittelalter und Rittertum durchaus im Griff hat. Die Drehorte, Kostüme und Kulissen erzeugen gehörig Mittelalteratmosphäre. Auf Dariusz Wolski ist wie immer verlass. Irgendwie kann ich mich aber nicht des Eindrucks erwehren, dass die Inszenierung etwas "routiniert" rüberkommt. Gross in Erinnerung bleiben wird mir von The Last Duel auf lange Sicht nichts. Die Regie von Scott ist ein bisschen altbacken, grosse Stilelemente oder audiovisuelle Überraschungen findet man nicht.

Das ist natürlich Kritik auf hohem Niveau, doch irgendwie hat der Film als Ganzes bei mir nicht zu 100% funktioniert. Wenn ich einen Haufen Amerikaner oder Engländer sehe, die Franzosen verkörpern dann geht mir das nur schwer runter. Vieles wirkt bemüht. Auch ist mir The Last Duel etwas zu lang. Besonders die Sichtweise von Jodie Comer’s Marguerite zieht sich etwas und hätte durchaus interessanter inszeniert werden können. Die verschiedenen, überlappenden Sequenzen sind zwar durchaus gut gewählt, mit einer grossen Ausnahme aber ziemlich unspektakulär. Da hätte man viel mehr Potential gehabt. Trotz langer Laufzeit bleiben die Figuren etwas oberflächlich. Das Finale wiederum war durchaus cool, aber die vielen Wiederholungen führen dazu, dass dem Streifen gegen Schluss etwas die Puste ausgeht.

Mein grösster Kritikpunkt ist aber, dass der Film sich am Schluss auf eine «Wahrheit» festlegt. Ich hätte es vorgezogen, wenn man etwas zweideutiger an die Sache rangegangen wäre. So verkommt das Ganze am Schluss zu einem moralischen Fingerzeig, dem aber gehörigt die Wirkung abgeht.

Somit fällt The Last Duel in die Sparte "routiniertes aus dem Hause Scott". Sicher immer noch über dem Durchschnitt angesiedelt aber halt auch nichts, über das wir in einigen Wochen noch gross reden werden. Mit dem Cast eigentlich schade.

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