Possessor

Possessor ★★★½

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Wie der Vater, so der Sohn: Brandon Cronenberg kann Sci-Fi-Horror. Das ist nicht zuletzt durch sein grandioses Langfilm-Debüt Antiviral deutlich geworden. Für Possessor schraubt er den Body-Horror-Anteil deutlich zurück, verzichtet aber trotzdem keineswegs auf viele handgemachte Effekte.

Ohne eine Angabe, wann sich die Ereignisse abspielen, schmeißt Cronenberg sein Publikum mitten ins Geschehen. Schnell wird es Zeuge eines ersten brutalen Mordes und muss kurz darauf auch so manch ein Sci-Fi-Element kennenlernen und verstehen. Abseits der neuen Vorgehensweise gewisser Auftragskiller und der ein oder anderen Tätigkeit, scheint die Welt aber normal. Und vielleicht liegt gerade hier direkt ein kleines Problem des Films.
Während Antiviral - zugegebenermaßen wirklich alles andere als subtil - Sozialkritik zu äußern weiß, scheinen sämtliche Gimmicks der Welt von Possessor nur der Handlung des Films wegen zu existieren und keinen wirklichen Zweck zu haben.

Zwingend anders macht es ein Tenet von Christopher Nolan auch nicht - die 'Größe' der Ereignisse Mal außer acht gelassen -, doch scheinen dort Zwischenschritte eine gewisse Sinnhaftigkeit inne zu haben. In Cronenbergs zweiten Film wirkt es oftmals so, als wolle man einfach nur die Zeit bis zum nächsten inhaltlichen Highlight strecken. Kaum eine ernsthafte Problematik entsteht während dieser Phasen und Figurenentwicklungen finden bestenfalls sporadisch und dann auch nur für die beiden Protagonisten statt. Leider entsteht dementsprechend einiges an Leerlauf, welcher im besten Fall durch die gute Kameraarbeit und das tolle Schauspiel bereichert wird, jedoch nie die volle Aufmerksamkeit oder Begeisterung des Publikums erlangen kann.

Aber werfen wir doch nun einen Blick auf die eben angesprochenen Highlights, die Morde. In einem Film wie diesem wird Gewalt zelebriert, das wird von Beginn an deutlich gemacht und ist folglich auch vollkommen in Ordnung. Wer das nicht sehen möchte, schaltet ab, oder am besten gar nicht erst ein - im Zweifel handelt es sich sowieso um höchstens zwei Minuten, bis das erste Mal Blut fließt. Es wird ordentlich draufgehauen, gestochen und geschossen und das alles wird auch noch ziemlich explizit gezeigt. Gerade das macht in Cronenberg-Filmen den Reiz aus: die handgemachten visuellen Effekte, die hier zum Einsatz kommen. Stets Ekel erregend und dennoch faszinierend zugleich. Auch zu nennen ist definitiv so manch eine Szene im Kopf/Bewusstsein des Wirts, denn auch hier werden einige visuelle Spielereien betrieben.

Gerade wenn es hinten heraus hitziger wird und sich der Wirt Colin und die Auftragskillerin Tasja mehr oder weniger gegenübergestellt sehen, ist das Schauspiel nahezu makellos. Hier zeigt sich wieder, dass die Stärke von Possessor in seinen Schauwerten liegt und nicht im Inhalt. Was in den finalen Szenen auf dem Spiel steht - die Familie der Protagonistin Tasja - ist einem fast egal. Zu wenig wird sie im Vorhinein beleuchtet und zu verlockend sind die nächsten, bereits in Reichweite wartenden, visuellen Effekte.
Neben einer starken Andrea Riseborough und einem gewohnt fantastischen Christopher Abbott können hier auch Jennifer Jason Leigh und Sean Bean überzeugen, obgleich man sich wünscht, man hätte noch mehr von eben diesen sehen können.

Nicht nur die Effekte sind auf audiovisueller Ebene sehenswert, nein auch die Kamera weiß stets zu überzeugen und ab und an einen wirklich tollen Shot einzufangen. Mit Drehungen und Schwenks wird ebenfalls stets gearbeitet, um nicht ein Schnittgewitter hervorrufen zu müssen und gerade das zeichnet diesen Film stellenweise aus und hebt ihn von der Konkurrenz ab. Die absolute Meisterleistung mag ausbleiben, doch die Ambitionen gehören in höchsten Tönen gelobt. Durch eine sehr passende auditive Untermalung wird das Bild bereichert und auch wenn hier ebenfalls keine Bäume ausgerissen werden, leistet sich Possessor in dieser Hinsicht keinerlei Fehltritte.

Brandon Cronenbergs zweiter Langfilm schöpft nicht sein volles Potenzial aus. Gerade nach einem bärenstarken Debüt wie Antiviral hätte man hier einfach mehr Sozialkritik oder allgemeine Raffinesse in der Erzählweise erwarten können. Nichtsdestotrotz sind die Stärken von Possessor kaum zu leugnen. Bild und Ton sind wirklich gut, gerade während der Gewaltspitzen inklusive handgemachter visueller Effekte und auch das Schauspiel von insbesondere Christopher Abbott wertet den Film definitiv ein gutes Stück auf. Da lässt sich über die ein oder andere Durststrecke hinwegsehen, sofern man den Fokus für sich selbst eben auf die richtigen Aspekte legt.

7.0/10

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