Donnie Brasco

Donnie Brasco ★★★★

Ist das zu fassen? Die haben den Boss kaltgemacht. Man hört nie was vom Boss, außer er wird kaltgemacht und dann wird dein ganzes Leben durcheinander gewirbelt.

Auf der unteren Ebene der Mafiahierarchie geht es ähnlich lustig zu wie bei Scorsese. Mike Newell hat nur filmisch nicht interessantes anzubieten, konzentriert auf die Darsteller müssen Al Pacino, Johnny Depp, Anne Heche, Michael Madsen und die ganzen Busladungen voll toller Mafiaschauspieler das Maulwurfdrama wuppen. Eigentlich müsste es ein Traum sein für Hauptdarsteller, wenn alles an ihnen hängt. Mann, piss die Wand an, Donnie und dem schlichten Mobstergemüt Lefty Two Guns, der im 10 Dollar Trainingsanzug Zuhause Raubtierdokus guckt, könnte ich ewig zuhören.

Champignons, eine Dose Tomaten... und eine handvoll Salz.
Handvoll?
Handvoll. Ne handvoll Salz.
Handvoll oder randvoll?
Handvoll handvoll, nicht randvoll. So ein Blödsinn. Randvoll.
Also gut, handvoll.
Manchmal redest du ganz schön krudes Zeug Donnie.

Ein Vater-Sohn ähnliche Beziehung braucht seine Zeit, das Drehbuch spitzt sich wundervoll sensibel zu, es ist echte Nähe die Undercoverratte Joe Pistone aufbaut und mit jedem Besuch bei seiner Frau wurde die Persönlichkeit von der falschen Identität ein Stückchen mehr assimiliert. Ständig gibt es etwas lustiges zu sehen, zu hören oder zu erleben bei der Einführung in die ehrenvolle Familie, ein klasse Drehbuch mit Mafiakolorit zum wegpacken.

Klar, Freund von mir, Freund von uns. Wie soll ich dich nennen?
Freund von uns?
Du hälst deine verdammte Klappe!

Finde es sehr gelungen die Beziehung der beiden in ein zweigleisiges, tragisches Charakterportrait zu führen, die zwangsläufig ein hässliches Ende finden muss. Pacino und Depp spielen fantastisch, ein Mafiakiller der mir ein bißchen leid tut, das hat Scorsese bei mir noch nie geschafft, auch wenn seine Figuren ausgesprochen interessant und unterhaltsam waren. Das Buch von Joe Pistone über seine Infiltration der New Yorker Mafia kann ich übrigens wärmstens empfehlen, das ist noch weit interessanter als der Film. Ebenso der zweite Band The Way of the Wise Guy nachdem Pistone bereits über 10 Jahre Behörden weltweit über Mafiastrukturen aufgeklärt und sie beraten hatte. Von Joe Pistone gibt es Material über die Mafia bis ins neue Jahrtausend aus erster Hand, das liest sich weg wie nichts. Anders als im Film wurde der echte Sonny Black für seine Fahrlässigkeit ermordet, einen Agenten unbemerkt eingeschleust zu haben. Lefty musste in den Knast, da er die Omerta beherzigte und nicht das Geringste verriet, wurde er von der Mafia begnadigt und durfte an Krebs statt an Bleivergiftung sterben. Mann, piss die Wand an, mit 68 hat Lefty Two Guns Ruggiero noch ein stolzes Alter für einen Mafiakiller erreicht.

John Wayne ist tot. Die Nation trauert. Wie kann John Wayne sterben? Die scheiß Indianer haben ihn erwischt.